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Notradio "Raki"

Notradio "Raki" und seine Geschichte.

Im Jahr 2005 führte uns eine Geschäftsauflösung in den Dürener Raum. Fast beiläufig berichtete der Inhaber über die „serienmäßige“ Herstellung von Notradios in der Nachkriegszeit durch seine Firma.
Unter dem Markennahme Raki wurde in Höllen ein 3 Röhren Empfänger entwickelt und gebaut. Das Gehäuse und das anfangs hölzerne Chassis wurden von der ortsansässigen Möbelschreinerei hergestellt. Je nach Verfügbarkeit der Bauteile, vor allem der Röhren, wurde das Gerät immer wieder angepasst. So waren für die Röhrenfassungen keine Löcher im Chassis vorgesehen, ein genügend breiter Schlitz über die gesamte Breite erlaubte die Befestigung der verschiednen Ausführungen, die gerade verfügbar waren. Zu Beginn der Fertigung waren 2 bis 3 Mitarbeiter beteiligt, die zwischen 3 und 5 Geräte fertig stellten.

Später waren bis zu 25 Mitarbeiter beschäftigt, erinnert sich Herr Dahmen. Auch wurde das Chassis im Verlauf der Produktion auf Metall umgestellt.


In Absprache mit Herrn Dahmen reisten wenige Tage später ein paar Kollegen unseres Vereins erneut an zu einen ausführlichem Interview. Der Gesprächsverlauf wurde auf Tonband aufgezeichnet und zusätzlich fertigte unser Schriftführer ein Protokoll an.
Aus beiden Quellen stammt die nachfolgende Zusammenfassung des Gespräches vom 12.01.2005:


Die Fa. Dahmen war bis Ende 2004 ein traditionsreiches Handwerks- und Handelsunternehmen in dem kleinen Ort Höllen. Der jetzige Inhaber beendet die Betriebstätigkeit mit Erreichen des Ruhestandsalters, weil das heutige technische und vertriebliche Umfeld den Weiterbestand (in der bisherigen Form und an diesem Standort) unwirtschaftlich macht.
Der Großvater war Schmied gewesen, in der landwirtschaftlich geprägten Gemeinde ein wichtiger Beruf! Er ergänzte den Betrieb durch eine Schlosserei.
Sein Sohn, geboren 1983, der Vater unseres Interviewpartners, war 1912 zum Wehrdienst in die Garde – Artillerie in Berlin gekommen. Dabei hat er im ersten Weltkrieg die Funktechnik kennen gelernt. 1919 aus dem Kriegsdienst zurück gekehrt, betrieb er die Schlosserei des väterlichen Unternehmens, die damals zu ca. 90% mit der Landwirtschaft verbunden war.
Es ging daher vorwiegend um die Instandhaltung und Reparatur landwirtschaftlicher Maschinen.
Als die neue Funk-Technologie in Form des Rundfunks in die allgemeine und private Nutzung überging, erweiterten er und sein Vater 1923 die Firma um ein Radiogeschäft.
-- Immerhin kostete damals ein Radiogerät soviel wie ein Morgen Land! --

Überspringen wir nun einen Teil der Firmengeschichte und setzen wir nach dem 2. Weltkrieg wieder auf!
Mit Kriegsende 1945 war die deutsche Wirtschaft fast vollständig zerstört. Bevor die großen Firmen ihre Produktionsstätten wieder instandsetzen und / oder neue aufbauen konnten, wurden viele dringend benötigte Haushaltsartikel in Heimarbeit und Handwerksbetrieben hergestellt.
Die wichtigste Grundlage dafür war das „Organisieren“ der Rohmaterialien. In den Vorratslagern der Wehrmacht und auch in den Industrieruinen war noch viel Brauchbares zu finden. Es entwickelte sich ein Beziehungsgeflecht „tüchtiger“ Verwerter, die der zweiten Säule der Notwirtschaft, den Heimarbeiten und Handwerksbetrieben, die benötigten Rohmaterialen beschafften. Darüber hinaus waren sie beim Vertrieb der Produkte „behilflich“.
Schlosserei und Rundfunktechnik im Hause Dahmen boten eine gute Ausgangslage für die Eigenfertigung von Rundfunkgeräten. Dazu kam der glückliche Umstand, dass ein fähiger Rundfunkingenieur, bedingt durch den Krieg, im Ort ansässig geworden war. Es handelte sich dabei um einen Philips-Mitarbeiter aus den Aachener Werken. Ein Herr Kisters vom Bodensee hatte diese ideale Kombination aus Entwicklungs- und Fertigungspotential erkannt und mit seinen Beziehungen erweitert. Aus dieser Quelle erhielten die Fa. Dahmen und auch weitere Produzenten der ersten Nachkriegszeit nötige Bauelemente zur Fertigung der Rundfunkgeräte.
Auffällig ist unter Andrem die Skala, die sehr große Ähnlichkeit mit anderen Geräten der frühen Nachkriegszeit aufweist. Auch weist der Namenszug Raki Ähnlichkeit mit Kiraco auf.
Nach der Erinnerung des Herrn Dahmen wurden die Skalen für mehrere Gerätetypen im Frankfurter Raum hergestellt.
Mit dem Anlaufen der Industrieproduktion von Rundfunkgeräten wurde die Fertigung in Höllen aufgegeben. Man verlegte sich auf den Vertrieb der Fabrikgeräte und wurde zu einem erfolgreichen Radio- und später auch Fernseh- Fachgeschäft mit großem Einzugsbereich.

Wie viele Raki -Geräte insgesamt hergestellt wurden war nicht mehr zu ermitteln. Das letzte Gerät, welches noch im Besitz von Herrn Dahmen war, wurde unserem Verein geschenkt, von ihm stammen die gezeigten Bilder. Die Bestückung bei diesem Exemplar besteht aus 6Z7 (KC8), 4Z60a und AL1. Mit welchen Materialen damals gearbeitet werden musste kann man beim genaueren Betrachten der Bilder erkennen. So ist der Farbanstrich für den Skalenhintergrund nur so weit angebracht wie er von außen eingesehen werden kann. Auch die verwendeten Befestigungswinkel sind nur soweit bearbeitet wie funktional erforderlich.

 

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